Commerzbank Rohstoffradar Juli 2021

Quelle: Bloomberg

Gold und Platin nach Preisrutsch mit positiven Aussichten

Gold geriet im Anschluss an die Fed-Sitzung Mitte Juni regelrecht „unter die Räder“. Der Preis stürzte in zwei Handelstagen um rund 90 US-Dollar ab und rutschte am Monatsende weiter bis auf 1.750 US-Dollar je Feinunze. Damit wurden sämtliche Gewinne seit Mitte April binnen von zwei Wochen ausgelöscht.

Anfang Juni erreichte der Preis mit mehr als 1.900 US-Dollar je Feinunze noch das Niveau vom Jahresbeginn. Gold profitierte dabei von seiner Rolle als Inflationsschutz, nachdem die US-Inflationsrate in den vergangenen Monaten deutlich stärker stieg als erwartet. An der Argumentation für einen höheren Goldpreis hat sich u.E. nichts Grundlegendes geändert: Die Inflation liegt deutlich über den nominalen Anleiherenditen, die Realzinsen sind also negativ. Da die meisten Vertreter der US-Notenbank (Fed) den Inflationsanstieg als vorübergehend erachten, sieht die Fed bislang keine Veranlassung zu einer baldigen Abkehr von ihrer ultralockeren Geldpolitik. An den Anleihekäufen will man zunächst unverändert festhalten, was zu einem weiteren Anstieg der Bilanzsumme und der Geldmenge führt. Eine erste Zinserhöhung erwartet eine knappe Mehrheit der Fed-Mitglieder erst 2023. Es dürfte allerdings eine gewisse Zeit dauern, bis der Markt den Schock des plötzlichen und unerwarteten Preisrückgangs verdaut hat. Welchen Weg Gold in den kommenden Wochen einschlagen wird, hängt u.E. stark vom Verhalten der ETF-Anleger ab. Verkaufen diese verschreckt ihre Anteile, dürfte es mit Gold weiter abwärts gehen. Erachten die ETF-Anleger das niedrigere Preisniveau dagegen als Kaufgelegenheit, sollte sich der Preis stabilisieren und in wenigen Wochen wieder steigen. An unserer Jahresendprognose von 2.000 US-Dollar halten wir vorerst fest. Das Abwärtsrisiko für diese Prognose ist allerdings gestiegen.

Im Gegensatz zu Gold legte Platin schon im Mai den „Rückwärtsgang“ ein und fiel im Juni zeitweise deutlich unter 1.100 US-Dollar je Feinunze auf den niedrigsten Stand seit Januar. Die schwächere Preisentwicklung dürfte unter anderem auf die momentan eingeschränkte Nachfrage aus der Automobilindustrie wegen Chipmangels zurückzuführen sein.

Zudem prognostiziert Johnson Matthey für dieses Jahr einen unerwartet hohen Angebotsüberschuss von gut 600.000 Unzen, der das Angebotsdefizit aus dem Vorjahr nahezu wettmachen würde. Der World Platinum Investment Council (WPIC) erwartet für dieses Jahr zwar ein Angebotsdefizit von 158.000 Unzen, das allerdings deutlich geringer ausfallen würde als das rekordhohe Angebotsdefizit im Vorjahr.

Wir sehen bei Platin trotz der jüngsten Schwächephase weiterhin Aufwärtspotential. Dafür sprechen insbesondere die nach wie vor positiven Aussichten für die Nachfrage aus der Automobilindustrie. Dort sind drei Faktoren für den höheren Platinbedarf verantwortlich:

  • die Automobilproduktion dürfte nach dem coronabedingten Rückgang im vergangenen Jahr und den derzeitigen Ausfällen wegen Chipmangel wieder steigen.
  • verschärfte Emissionsvorschriften in Europa und China sorgen für einen höheren Platineinsatz in den Katalysatoren.
  • angesichts des wesentlich teureren Palladiums bei den Automobilherstellern ist mit einer verstärkten Substitution durch Platin zu rechnen. Neben dem Einsatz in Katalysatoren für Verbrennungsmotoren wird Platin auch in der Wasserstofftechnologie (Brennstoffzellen) eingesetzt. Sie spielt aktuell zwar noch keine große Rolle, dürfte in den nächsten Jahren aber sukzessive an Bedeutung gewinnen. Wir erwarten einen Platinpreis von 1.300 US-Dollar je Feinunze am Jahresende.

Quelle: Commerzbank Research 30.06.2021

in EUR je Einheit in EUR je Einheit
Edelmetalle Agrarrohstoffe
Gold je Feinunze Höchst
Tiefst
1.736,99
1.415,30
Baumwolle je Pfund Höchst
Tiefst
0,76
0,52
Palladium je Feinunze Höchst
Tiefst
2.483,71
1.698,66
Kakao je Tonne Höchst
Tiefst
2.282,35
1.605,39
Platin je Feinunze Höchst
Tiefst
1.076,02
721,18
Mais je Tonne Höchst
Tiefst
269,75
163,50
Silber je Feinunze Höchst
Tiefst
24,78
15,99
Raps je Tonne Höchst
Tiefst
681,25
373,50
Weizen je Tonne Höchst
Tiefst
257,75
177,00
Zucker je Pfund Höchst
Tiefst
0,15
0,10
Industriemetalle Energie
Aluminium je Tonne Höchst
Tiefst
2.133,49
1.407,89
Diesel je Tonne Höchst
Tiefst
507,87
259,75
Blei je Tonne Höchst
Tiefst
1.962,42
1.472,60
EUA je Tonne Höchst
Tiefst
56,65
23,21
Eisenerz je Tonne Höchst
Tiefst
185,60
87,27
Erdöl Brent je Barrel Höchst
Tiefst
63,82
32,17
Kupfer je Tonne Höchst
Tiefst
8.646,82
5.300,41
Gasöl je Tonne Höchst
Tiefst
508,55
260,77
Nickel je Tonne Höchst
Tiefst
16.192,55
11.310,57
Kerosin je Tonne Höchst
Tiefst
527,77
248,78
Zink je Tonne Höchst
Tiefst
2.506,55
1.792,39
Kohle je Tonne Höchst
Tiefst
101,91
41,21
Zinn je Tonne Höchst
Tiefst
28.070,54
14.582,07
Strom je MWh Höchst
Tiefst
85,22
29,99

* Quelle: Bloomberg, Periode: 01.07.2020 - 30.06.2021

** Aus Sicht deutscher Unternehmen notieren die aufgeführten Rohstoffe in der Regel in Fremdwährung. Neben Rohstoffpreisrisiken sind somit zusätzlich Währungsrisiken zu berücksichtigen.

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